mehr Schein als Sein - die IUBH Fassade bröckelt
Ich denke, ich kann mit zahlreichen Semestern auf dem IUBH Campus einen recht umfassenden Einblick liefern.
1. Studienfinanzierung und Einstufungstest:
Die recht hohe Semestergebühr von mehreren Tausend Euro will finanziert werden. Die IUBH bietet leider nach wie vor recht wenig Stipendienmodelle an. Am attraktivsten dürfte noch das Ließem-Vollstipendium für Studenten aus der Region Bonn sein. Eine solide Möglichkeit ist auch das Deutschlandstipendium, um immerhin ein Zubrot zu haben.
Eindringlich warnen möchte ich vor dem IUBH Bildungsfonds! Der Name des "Bildungsfonds" ist absolut irreführend und wer sich darauf einlässt, dürfte durchaus nach einigen Jahren eine böse Überraschung erleben: Man bekommt das Studium bis zu 100% per Kredit finanziert (nichts anderes ist der "Bildungsfonds"). Man verpflichtet sich jedoch, den Kredit nach Abschluss nicht nur zurückzuzahlen, sondern einen massiven Anteil seines Gehalts ebenfalls dem Bildungsfonds über lange Jahre zu geben. Das Bedeutet: Der "Bildungsfonds" macht höchstwahrscheinlich einen satten Gewinn, welcher deutlich über die regulären Zinsen eines Standard-Studienkredits von Banken hinausgehen würde. Man verpflichtet sich gegenüber dem Bildungsfonds auf sehr viele Jahre blank zu ziehen und die Einkommenssteuerbelege vorzuweisen. Daher: Vorsicht ist geboten!
Den IUBH Einstufungstest schafft so ziemlich jeder (spätestens nach weiterem Versuch), da die IUBH schließlich keine zahlenden Kunden vergraulen möchte.
2. Unterkunft:
Die von der IUBH angebotenen Unterkünfte sind von minderer Qualität und massiv überteuert. Die so genannten "Dorms" sind schon bis zu 15 Jahre alt und vergammeln zusehends. Die Einbauküchen, welche sich mehrere Mieter teilen, sind kaum zum Kochen geeignet. Die Zimmer sind eng und abgewohnt. Der Mietpreis steht in keinem Verhältnis zur Umgebung!
Daher: besser nach einer Unterkunft in Bad Honnef und den umgebenden Orten schauen. Definitiv preiswerter bei besserer Qualität!
3. Infrastruktur:
Es gibt eine Mensa und das Restaurant Anno, sowie eine Coffee Bar "Dallmayr". Man muss ehrlicherweise sagen, dass die Qualität des Essens auf dem Campus über anderen Universitäten, wie z.B. Bonn, liegt. Allerdings hat auch das seinen Preis: man ist gezwungen jedes Semester einen Mindestbetrag in eine Campus Card einzuzahlen (300 Euro als deutscher Student und sogar 600 Euro aus ausländischer Student). Dieses Guthaben kann man dann neben Fotokopien auch für die Gastronomie verwenden. Nur leider ist das Guthaben sehr schnell aufgebraucht aufgrund der hohen Preise der Campus-Gastronomie. Tipp: besser in Bad Honnef in der nahen Altstadt essen, nachdem das Zwangsguthaben aufgebraucht ist. Dort bekommt man deutlich mehr für sein Geld!
Einzig die Roof-Top-Bar Charly's bietet am Abend faire Preise für Bier, Drinks und Sancks an.
Die IT-Landschaft des Campus ist veraltet. Das Internet ist langsam und wird zeitweise sogar in den Dorms gedrosselt, bzw. manche Webservices gesperrt (und das für zahlende Kunden)!
Die Seminarräume sind an sich gut ausgestattet. Nur seit die IUBH mit der Unsitte angefangen hat, die Kurse überzubelegen, herrscht eine "kuschelige" Enge. Zu früheren Zeiten gab es kaum Kurse mit mehr als 20 Teilnehmern. Parkmöglichkeiten sind vorhanden in einer Tiefgarage mit unverhältnismäßig hoher Gebühr.
4. Qualität der Lehre:
Bewerte ich höchst unterschiedlich!
Es gibt, wie bei den meisten Universitäten, auch gute wie schlechte Dozenten. Allerdings hatte ich immer das Gefühl, dass die ausländischen Dozenten deutlich mehr Charisma haben und auch mit mehr Herzblut bei der Sache sind. Hingegen habe ich vor allem bei den jüngst massenweise als Dozenten eingestellten Deutschen "Jungspunden" den Eindruck, dass diese Damen und Herren nur geil auf den in Aussicht gestellten "Prof." Titel sind. (sorry, aber ich kann "Professoren", die gerade mal Mitte/Ende 30 sind, kaum relevante Lebenserfahrung haben und sich mit ihren paar Jahren Consulting / Banking / Coaching brüsten, nicht wirklich ernst nehmen. An einer staatlichen Universität würde selbst jede Junior-Professur dies nicht für voll nehmen! Habilitation? Hat keiner von denen).
Was mich am meisten ärgert ist, dass diese jungen, deutschen Dozenten oft dermaßen von sich überzeugt sind und sich für "Godfather" halten, so dass man als Student unweigerlich das Gefühl bekommt, sein Geld für irgendwelche Selbstdarsteller zu verbrennen.
Einzig positiv: es werden regelmäßig Fieldtrips und Exkursionen in die Industrie angeboten, welche durchweg spannend waren und auch lehrreicher als so mancher Jung-Dozent.
5. Prüfungswesen:
Absolut mangelhaft und intransparent!
Prüfungen werden nach amerikanischem Vorbild in 0 - 100% bewertet. Nach einer Prüfung gibt es einen Termin zur Klausureinsicht. Man hat ein paar Minuten Zeit einen Blick drauf zu werfen. Einwände oder Rückfragen sind nicht möglich. Keine Diskussion! Füher war es an der IUBH noch transparenter, als man in Anwesenheit des Dozenten die Klausuren einsehen konnte und ggf. den Dozent fragen konnte. Die IUBH fertigt hier schlichtweg die Leute ab.
Leider hat das Prüfungsniveau auch nicht unbedingt zum guten Ruf der IUBH beigetragen. Der Skandal der laschen Prüfungen des IUBH Fernstudiums mit Unterschleif trug nicht gerade zum guten Ruf bei (siehe auch letzter Punkt "nach der IUBH").
6. Internationalität:
Der Campus ist auf jeden Fall international und gesprochene Standardsprache ist Englisch. Früher war die Mischung der Studenten jedoch ausgewogener. Heute überwiegt massiv die Zahl der Studenten aus Indien und aus den ehemaligen GUS-Staaten. Ich finde es sehr schade, dass man auf dem Campus fast nur noch Inder als größte vorherrschende Nationalität antrifft und der ausgewogene Interkulturelle Mix verloren geht. Es ist nun recht einseitig geworden. Auch in Sachen Integration macht es sich die IUBH zu einfach: es ist nicht damit getan, am Semesteranfang ein paar "Greeter-Studenten" abzustellen und zu erwarten, dass diese der Masse an ausländischen Studierenden alle Behördengänge erklären und abnehmen. Die IUBH ist eigentlich in der Pflicht, die ausländischen Studenten aktiver zu begleiten und zu integrieren. Diese Aufgabe macht eben nicht an der Grundstücksgrenze des Campus halt! Ein Problem mag hierbei auch sein, dass es - im Gegensatz zu staatlichen Universitäten - kein wirkliches Studentenwerk gibt.
7. Campus Life:
Es gibt den "Student Common Room", der ähnlich amerikanischer Universitäten, eine von der Hochschule initiierte Studentengruppe ist, welche Aktivitäten auf dem Campus organisiert und ein - im Falle der IUBH sehr begrenztes - Mitspracherecht hat.
Die "Societies", welche interessante Aktivitäten über das Studien-Curriculum hinaus anbieten, sind eine positive Ergänzung (z.B. Sportarten, Cheerleading, Weinfreunde, soziales Engagement) und tragen zur interkulturellen Begegnung bei. Ich konnte hier viele neue internationale Freunde kennenlernen.
Die Charly's Lounge & Bar ist auf dem Dach eines der Campus Gebäude und bietet abends - als einzige Lokalität auf dem Campus - Bier und Drinks zu fairen Preisen an. Der langjährige Wirt beschäftigt auch Studenten und ist stets für einen netten Plausch zu haben. Man kann hier gesellige Abende verbringen oder auch im Sommer mal ein Barbecue genießen.
8. Nach der IUBH:
Nach der IUBH dürften die meisten Studenten entweder woanders weiter Studieren oder ins Berufsleben einsteigen / zurückkehren.
Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es leider eher ernüchternd war und die IUBH im Lebenslauf nicht unbedingt vorteilhaft ist. Der gute Ruf dieser "private business school" ist nicht mehr gegeben!
Ich habe Bewerbungsgespräche erlebt, wo man auf die IUBH angesprochen wurde mit "das sind doch diejenigen, welche im Fernstudium Unterschleif tolerieren" oder man gar ein müdes Lächeln erntet, wenn man von der BWL-Ausbildung an der IUBH erzählt. Ich habe von einem Personaler tatsächlich zu hören bekommen "naja, ich habe schon IUBH Absolventen vor mir gehabt, die nichtmal eine Konzern-Bilanz vernünftig lesen konnten". Das ist als Bewerber einfach nur frustrierend so etwas gesagt zu bekommen.
Man darf sich keinesfalls der Illusion hingeben, dass der Abschluss der IUBH eine Job-Garantie ist!
Die IUBH hat offenbar lange vom elitären Ruf gelebt (damals, als die FH Bad Honnef noch eine elitäre kleine Einrichtung war)
2. März 2018
Bewertung ohne vorherige Einladung