Erfahrungen mit Pir Sirous
Ich war viele Jahre bei Pir Sirous als Schüler.
Alles fing damit an, dass eine befreundete Person und Schüler von Pir Sirous von ihm als „gottgleichen, unfehlbaren Meister“ und „Heiler“ erzählte. Meine Neugier war geweckt und auch ein spezielles Bild vom ihm.
Ich war zunächst begeistert von seiner klaren Wahrnehmung von Menschen und ihren Schattenseiten, von der liebevollen Aufnahme und dem einleuchtenden, besonderen Weg zu Gott und zur Bewusstwerdung, der sich auftat.
Ich hatte den Willen mich zu entwickeln, hatte Sehnsucht nach Gott und schien dafür den perfekten, einmaligen Lehrer gefunden zu haben. Viele Situationen, in denen ich „mein Herz, Gott, Frieden“ in der Gegenwart von Pir über all die Jahre immer wieder spürte, schienen mich zu bestätigen.
Es hat viele Jahre gedauert, auch alle negativen Seiten sehen zu können & zu wollen und später auch den Absprung aus der Sekte zu schaffen.
Es gab körperliche Gewalt gegen Mitglieder; Schlagen, Verprügeln, Anstiftung zur Gewalt, sexueller Mißbrauch.
Das war natürlich nicht von Anfang an so; Man lernte ihm erst zu vertrauen, begann zu denken, dass zB Gewalt zu erfahren nur etwas mit einem selbst zu tun hat ( victim blaming) und systematischem Gaslighting - der Manipulation von Wahrnehmung zu einem bestimmten Zweck, in dem Fall: die Behauptung, die Person habe eine dunkle Energie/sie soll davon „befreit“ werden/ ihr soll ihre Energie „vor Augen geführt werden“.
Außerdem galt meine Wahrnehmung/Intuition, solange sie mit Pir nicht konform war, schlicht als falsch. Pir sagte, er irre sich nie. Er mischte sich grenzüberschreitend in alle Lebensbereiche ein und schien dabei immer nur lautere, selbstlose Motive zu haben. Wenn etwas nicht rund lief (und das konnte oft auch nur eine absolute Kleinigkeit sein wie in umgefallenes Wasserglas oder die Kleidung, die man anhat), pickte er sich denjenigen raus, um ihm seine Dunkelheit vor allen vor Augen zu führen, „damit daraus Licht wird“. Das hieß so lange auf ihn einzureden oder auch einzuwirken, bis man heult/zusammenbricht/kapituliert - danach wurde man nach einer Zeit rehabilitiert und fühlte sich „freier“ und erleichtert, da man ja durch einen „Bewusstseins- und Fühlensprozess“ gegangen war.
Pirs begründete sein Verhalten immer damit, dass der Schüler Schuld sei und die Ursache in sich suchen solle. Pir behauptete, völlig selbstlos zu handeln und wir sollten ihm vertrauen.
Wir bekamen zu hören, dass wir zu den wenigen Auserwählten gehörten - „von 6 Milliarden, ihr habt es geschafft hier zu sein und mich zu hören“, die bei ihm sein dürfen. Das war jeder Zeit aber mit Rausschmiss bedroht. Zu Kritikern und Aussteigern hatte man kein Kontakt mehr. Die waren halt nicht so entwickelt, oder auf Abwegen, oder hatten jetzt schlechte Energien. Es gab also eine Welt „wir hier drinnen - die da draußen“, wir waren die entwickelten, bewussten, die, die wirklich an sich arbeiten. Kontakt zu Familie, Freunden außerhalb wurde abgewertet und ein Keil dazwischen geschlagen.
Ein Satz zu Geld - erstaunlich im Nachhinein, wie ich da auch über meine Grenzen und Wahrnehmungen davon, was sich richtig anfühlt, gehen konnte, sei es aufgrund von Druck/Androhung oder aus „ Liebe“.
Es war keine „besondere, spirituelle Familie“ rund um Pir, es gab keine Freundschaften innerhalb der Gruppe, kein Vertrauen, nur viel Angst, viel Elitegefühl, keine reflektierende, kritische Haltung und überhaupt eine eigene Meinung war nicht möglich, viel Abhängigkeit, Manipulation, psychische und physische Gewalt und dabei wurde uns immer wieder suggeriert, dass wir so entwickelt und bewusst seien und gleichzeitig „ihr seid noch keine Menschen, ihr müsst erst Menschen werden. Ihr seid Kakerlaken“. Wir waren in einer totalen Blase, völlig unerreichbar und „besonders“.
Das sind alles bekannte Sektenstrukturen. Siehe Sektenberatungsstelle NRW.
Aber Achtung: Wenn man selber in so einem System steckt, wird man alle passenden Punkte innerlich „wegargumentieren“. Ich hatte damals den Test gemacht und dachte „verrückt, alle Punkte passen und trotzdem trifft das nicht auf Pir zu, der ist doch anders, die kennen den halt nicht, der ist ein Meister, für den greift da alles nicht“ oder so ähnlich.
Zum Glück konnte ich irgendwann mit verschiedener Hilfe mein Nicht-sekten-Selbst auspacken. Das gab es noch in mir.
Und ich bin so froh, dass ich den Ausstieg geschafft habe. Ich lebe noch und ich bin gesund (anders als Pir mir prophezeit hatte).
Ich bin wacher, glücklicher, verbundener und mehr in meiner Kraft und vertraue mir.
Schade, die Botschaft, die Pir Sirous gelehrt hat (er hat viel Saint Germain zitiert), war sicherlich zT nicht schlecht, aber er hat - gelinde gesagt - sie selber nicht verstanden und umgesetzt.
27. August 2022
Bewertung ohne vorherige Einladung