Die Vodderakademie
Die Vodderakademie, wie sie sich nun nennt, ist eine Schule in Walchsee/Tirol/Österreich.
Ich wollte dort vor vielen Jahren eine Ausbildung zum Physiotherapeuthen machen.
Das Unterrichtssystem ist Eliteschulenmäßig aufgebaut. Das heißt, das man ständig unter enormen Leistungsdruck steht. Man wird mit Stoff geradezu überschüttet und als ich den Lehrer einmal fragte, wann ich das alles lernen sollte, antwortete er zynisch, der Lehrsaal sei auch nachts geöffnet.
Als die Fußreflexzonenmassage von einer Lehrerin vorgetragen wurde, erhielten wir zuvor ein Blatt, auf dem ein Fuß mit allen relevanten Zonen abgebildet war. Wir sollten die verschiedenen Zonen mit verschiedenen Farben ausmalen.
Unglücklicherweise brach mir ein Farbstift ab und bis ich ihn wieder gespitzt hatte, war der Vortrag schon so weit fortgeschritten, das ich eine ganze Reihe von Zonen nicht ausmalen konnte und wegen des rasanten Tempos der Lehrerin eben diese Zonen nicht mitbekam.
Ich hatte also ein Blatt Papier, von dem ich nicht lernen konnte, weil einiges fehlte. Der Lehrerin war das egal.
Das ganze konnte man getrost als Menschenschinderei bezeichnen und ich glaube nicht, das sich daran bis heute irgendwas geändert hat. Meine gesundheitliche Verfassung verschlechterte sich zusehends und nach drei Monaten war ich soweit, das ich nachts nur noch zwei Stunden schlafen konnte.
Ich sah mich sogar gezwungen, einen Psychologen aufzusuchen und ihn um Rat zu fragen. Er sagte, er kenne die Methoden dieser Schule und schüttelte dabei verständnislos den Kopf.
Nach besagten drei Monaten war ich so fertig mit den Nerven, das ich meinen damaligen Sozialarbeiter (einen deutschen Landsmann) anrief, ihm mein Leiden schilderte, woraufhin er zu mir die erlösenden Worte aussprach: "Kommen sie nach Hause."
Um ein Uhr nachts begann ich, meinen Koffer zu packen und ging am Morgen zur Vizechefin, um zu sagen, das der fünfmonatige Kurs für mich vorbei sei.
Sie erwiderte, ihr Mann sei gerade nicht da und würde demnächst kommen. Ich lehnte jeden weiteren Aufschub ab und ging, ohne mich von den Mitschülern, die mich nie akzeptiert hatten, zu verabschieden.
Das AMS mußte trotzdem den ganzen teuren Kurs bezahlen, was mit ein Grund gewesen sein dürfte, wieso sie mir dann zur Pensionierung rieten.
Diese Schule ist nichts für schwache Nerven. Wer sie durchziehen will, muß sich dem Affentempo dort beugen und lernen, bis die Schwarte kracht.
Ich kann diese Schule keinem empfindsamen Menschen empfehlen, denn dort zerbricht man sonst.
Wer das überstehen will, braucht Nerven aus Stahl und ein eisernes Gemüt.
Heute habe ich das. Damals leider noch nicht.





